die pilzbriefe - kardiopostelen

geliebte, ungestielte die du bist, so weich und saftig - du, mit dem zimtbraunen hut oder irgendwie gefärbt, oh, albatrellus ovinus ! dein fleisch an der luft, bald rötend, komm unter meinen haushaubenden hut.
im grunde alter beerenbüsche will ich dich mit saft erfüllen, du, die du an der wurzel wächst.
in der helle deiner rosa trama vereinen sich licht und gegenlicht, frisch biegsam trägst du deinen gelbroten haarpelz am anfang auch schön fuchsrötlich. du verspielte, unterm hutfilz hast du göttin dich versteckt, in deinen poren wechseln die farben, zinnoberrot bis violett, ....
heut schreibe ich dir königlich: oh, karmina-safrana !
bei der weissen trama deines leibes - zerrissen labyrinthisch liebe ich dich !



ich schreibe ei.ner geliebten diesen pilzartigen brief:

oh, du, geliebte an der zitronenpresse - oh, nein, welch ungeschick, natürlich an der tränenzypresse, jojojo, vergisz dies schnell aber langsam mich ! die blaue farbe meiner roten gedanken flieszt so sahneweiszlich über das blatt, das so rein ist wie dein leib, wenn er im winde tanzt und sich verbiegt und hernach fein still an meiner unterseite liegt. das blut meiner tränenden wut kann nicht roter sein ! ach ! du ! du süssriechende porlingerin, du schlingerin, gestern noch sah ich dich ! in chamois, und dann in ocker, mit deinem gebüscheltem hyalinen haar und deinen augen, so sehr am rande gewimpert und eingekerbt, du meine feinfilzige geliebte kleine, als du mit moosen mich bedecktest und mein ungemach unter deinem hut verstecktest, ach, so samtig war's, an deinem leibe, und heut ! da muszt ich sehen wie du da liegst, auf einem anderen kastanoid ! ach, mich bringt die sehnsucht um, auch den verstand, doch darauf geb ich keinen pifferling, nein, ich geb ihn gerne hin, könnt ich nur bei dir sein, ich kerbelte dir höllisch ein.
geliebte mit der dünnen trama, du meiner liebe drama, ich liege hier und pinsel dir, in meinem feinsten kleide, nein nein ! der gehrock ist es nicht, der aus der weiszen seide, es ist das haarkleid des bestäubers das ich extra für dich trage mit dem dunklen horn, du, mein heiszwindblütiges pollenkorn, blindwütig muss ich hier verbleiben so ohne dich und denke an die hellen tropfen die du scheidend rinnen lieszest auf mein angesicht, als ich zum ersten mal dir unterlag und danach ging .

oh gott im himmel, das war wohl gestern erst, vor tausend jahren, was für ein seltsamer primeltag !

heut schreibe ich dir voller wut und königlich und denke doch mit meinen espenhänden nur immerfort an deine verfilzten lenden, ungezüchtete geliebte, du aller meiner tage, un und ur und ewiglich, zerrissen labyrinthisch beliebe ich dich. lojo l.ever rojo



ich schrieb ihnen zu ,
ihr geliebten , rache-gerechte ! mein königreich für jede nacht !!!!
hört Ihr nicht mein geächze, der könig reicht für tausende ,
und mehr als tausend nächte .
ach , ihr geliebten (tauben , rachengerechte) .
hänäh ächte !
euch brächte ich ständerig nur
wöllige schlaftaubende nächte .




ich schreibe meinen vom pilz abgearteten geliebten brief :

so du , prinzessin abgenagt , ungarniert mit drosselbart , du kegelhütige amanita , unzüchtige triebschlingerin , zerrötende saftverwirrlingerin , schleimtest dich an meine seite , du spitzes weib , wie hündegleich ! ungebogtes ding ! dir sende ich 'nen pifferling . den schimmel soll der teufel holen aus deinem leib du satansbraut ! ich schwefelte dir wild dazu die abgewetzte milbenhaut ! du schweinsgesichtige räude ! ja ! dies leder gerbte ich mit anisylin ! verwilderte ungeliebte , alptraum jedes meiner letzten tage ! dir schreibe ich heut voll des ekels , fürchterlich !! windgebogene kante , mit kurzen gliedern , ausgenagt , fahl bist du und abgestanden , an deiner fadenscheinigen naht nur ausgedünntes madenhaar ! oh rieselmaul , welch mundbeschuss ! von unter deinem hut , da rieseln konkremente , drum schreibe ich dir heute nur extremamente . du unbehagliches geschachtel , widerlich faulige madenwachtel bis zum erbrechen ! dein velum ist schon lang zerschlissen , die fäden deiner nähte längst zerbissen und deine sporen schmecken säuerlich wie deine spitzen , röte berberitzen . dörrpflaume ! ausgetrocknet wie ein pustelblatt ! und hättest du noch einen letzten faden , ich würde ihn im wüsten fliegensand vergraben ! so bleib du nur im brei der schafe liegen , ruchloses fleisch , in deinen riefen sollen sich die würmer weiden , dir das haupte zu zermeiszeln und deinen körper zu zersetzen !! schartiges trichinengesicht ! im kotigsten sumpfe tatest du dich sühlen ! auswurfmaschine , paradies der parasiten ! mit tausend geiszeln wollt ich nun in deinem zähen fleische wühlen , voll abscheu nur und nimmer dich befühlen ! und angeborene häszlichkeit nur käm' aus dir heraus , aus deines leibes fleischbeschau . auch wenn so blind vor lust ich dich beritt , wohl hundertfach im tale , ich sah ja doch den hahnentritt und deine gammelmale . und nach den kerlen richtetest du deinen hut nur aus . nun soll sich vergnügen wer immer will , mit dir , du abgestandene schale ! niemals !!! werd ich dich wieder beehren , auch dir nicht schreiben ! nicht bis an's ende meiner tage !

lojo rojo , pilzritter und rittmeister des groszen hirschen horn !



ich hufe den geliebten zu :

lasset uns doch endlich !
endlich nur die niederen sinne erhöhen !!
!! höhert ihr ? höhert !!
nicht sehen !!! nicht hören !!!
recht ungehörig und nicht gehörig sein !
nicht sehen aber säend sein !
ein hoch auf den niedersinn und alle moosheiten der höhle !

taktilius olfaktorius gustator




ich schreibe ei.ner neuesten pilzigen holden 'nen ersten besten verliebungsbrief :

geliebte holde, Sie fadenziehende süszigkeit, dieser erste tàpirlose brief an Sie ist geschrieben in phollkommener verkommenheit (wahnsinn). Sie zimbelchen im brautigen kraut, meine verehrteste amanita, Sie kleine scheidenstreiflingerin und füchsin in rot-gebräunter pelzchenhaut, Ihre blätterchen will jch beschreiben mit schlingen und ösen, mit feinen getösen, Sie schöne dunkelfruchtkörperin. kommen Sie daher von süden? mann sagt, es lieben pilzienen aus süden besonders wild und schrill, autzsch! das war wohl fast zu laut, was soll's, Sie sind ja doch so süsz, als hätten Sie hutzucker im geblüt doch erhoffe jch mir mehr die zuckende frucht, verflucht - verzeihen Sie's, mich trieb der trieb ... geleibte - (mist, ein fehler, doch bleibt's, jch habe es eilig, mich treibts und treibts)! Ihre löcher sind nahrhaft meine tränke und zwischen Ihren schenkeln liegt meine schänke; ach! dasz wir so gleichschenklig uns ergänzen (das hoff ich sehr!!!) bringt die beeren zum röten und die eichel zum glänzen. oh ! wo denken Sie gerad dran? worauf kommt es wohl beim wort mir drauf an ? ja, auf den stamm, nur auf den stamm ! und glauben Sie nicht, jch liebte ausgekochte hüte ! hier sende jch Ihnen auch eine nadel für Ihren hübschen filzigen hut, ein kleines geschenk nur, nicht dasz Sie sich stechen! sich selbst noch stechen, das brächte mich gar arg in wut ! so nun, Sie milziges fädchen, gehaben Sie sich in guter manier, jch drücke zum abschlusse dieses schreibens eine zerflieszende träne auf 's gallertpapier.

Ihr lojo rojo von ... äh, gestern entphallen und wie von s.tier

P.S. (hüten Sie sich vor blutregenalgen und deren augenfleck!)




ich letterte meinen brief zum fenster hinaus :

lieblich pilzin zum pherlieben , Sie haben mir kurz und windig geschrieben , b. du bist ein schwein. und legten in dieses brieflein ein bild Ihrer holden frue mutter mit ein . ja ! doch wozu ? dachten Sie im ernst in all Ihren spalten , Sie könnten mich damit phom schreiben abhalten ? oder meinten Sie , damit könnten Sie mich schrecken ? wahrlich , an später denkt das jch doch nicht , mich erfreut Ihr häutiges hutangesicht ! und überhaupt ! was interessiert mich wie Ihre mutter aus-schaut , Sie sind ja noch lang nicht meine braut !!!

jäjä , ein foto Ihrer mutter sah jch also ein , oh ja ! oh nein !! wie furchtbar furchtbar ist die farbe Ihrer mutterlauge !!!! welch gräszlich braun .... (oh , diese schreckliche haube , laube , luder , schraube , fuder , schachtel , ...bläh und blaube) !!! verflixte wachtel .... salat .

es schauerte mir , mein docht wollt' nicht mehr glimmen und fast , ja wirklich fast (fast hätten Sie‘s geschafft) wollte jch mich erschlieszen , Ihnen kein gesungenes meer zu bringen . doch kippte jch diesen gedanken in’s fort ! sofort ! dort , von den purpurklippen her . ja wai ! jch weisz , es war‘n nicht Ihre klippen , doch gedachte jch auch Ihrer dabei ! jch musz sie unbedingt bald küssen !!!

pontifikalia anna amalia , jch benutze mitra und aronstab beim blickkontrastenden fischen .

nun schlage ich Ihnen ein salz dreifach nieder . freuen Sie sich , phielleicht schreibe ich auch Ihnen bald wieder . (ein schallendes hämisches lachen erklingt ... an dieser stelle aber un.sichtbar für die holde pilziene) dieses schreiben hab ich hinausgeschrieben und muszte phiel dabei schreien ,
so ist es an Sie hinausgeschrien und Sie mögen es nun leiden ,
dasz Ihnen die ohren schön klingen dabei - an Ihrem leib -

lili macelesta - ein glockenspiel ...
lilili
ta-ta-ta
fein-fein
reib-reib .

Ihr lojo rojo , un.ergebenster vauen-brecher und schierester übelstimmer (immer übler schlimmer stierer)